album 1999
01# enter
02# danse
03# sigmatisiert
04# retrofig
05# endoskop
06# mHz
07# atemgold
08# 6 diener
09# indom
10# frolic skip
KEYBOARDS 04/00
Electrodrom
[cd des monats]
elektr@
endoskop
CD-R, Selbstverlag, ohne Bestl.-Nr., 10 Tracks, 0:37 bis 7:14, gesamt: 45:54
Das hatten wir auch noch nicht: eine jener Privatscheiben, die wir üblicherweise - und in Anbetracht der Selbstgebrannten-Schwemme notgedrungen - in Kurzkritiken vorstellen (siehe die Abteilung "Electroclip" in dieser Ausgabe) auf der Position "CD des Monats"!
Aber es musste sein. Denn den dringenden Wunsch an Sabine "elektr@" Dirksen (vormaliges AKA: Schneemann Productions Allgäu), den Ihr Electrodromteur - um nicht ein Supertalent unter einen die Kreativität möglicherweise blockierenden Erwartungsdruck zu setzen - in die Form einer zaghaften Frage gekleidet hatte (Zitat aus KEYBOARDS 10/99: "...wie wird's erst klingen, wenn die Frau die Faust benutzt?"), hat die Allgäuerin mit den rheinischen Roots schneller als man hoffen durfte erfüllt.
Mit zum Teil einfachsten Mitteln wie dem Brummen einer defekten Verstärker-Endstufe, das ihr in "retrofig" (Track 4) als magischer Basis-Sound dient, und einem Gerätepark von bescheidenem, aber doch nennenswertem Umfang (Korg Sigma, Jupiter 6, Prophet VS, Yamaha EX7, Pulse+, QY70, Xbase 09, Sirius) lässt die Dame vor allem jene männlichen Kollegen, die als Vertreter der jüngsten elektronischen Old-School-Generation ihre Booklet-Seiten noch immer gern mit Equipment-Listen von enzyklopädischen Ausmaßen füllen, so alt aussehen, wie sie es als Epigonen von TD, KS und allen anderen Pionieren, die wir inzwischen problemlos anhand ihrer Initialen identifizieren können, verdient haben.
Wie sowas möglich ist, wird einem schlagartig klar, klickt man nur drei wahllos herausgegriffene "endoskop"-Highlights an. Zum Beispiel das verKORGte "sigmatisiert" (Track 3, 5:35), in dem über einer hypnotischen Rhythmussequenz eine Sololinie taumelt, die den alten Bob Moog entzücken dürfte. Oder "atemgold" (Track 7, 4:54), wo ein fast schon "rockig" zu nennendes Minimal-Pattern (es funktioniert wie ein Richards-Riff in einem Stones-Song) und eine synthetisierte Lead-Gitarre die Illusion perfektionieren, dass sich die Beat-Programmierer der frühen Pet Shop Boys und Michael Rother einst zu heimlichen Sessions getroffen haben. Oder "6 diener" (Track 8, 5:41), das mit seinem wie ironisch zitiert wirkenden "kosmischen" Synthi-Schwirren und einer geloopten Bassfigur à la Holger Czukay wie das Resultat eines Kräftemessens zwischen Tangerine Dream und CAN klingt.
Das alles ist indes nicht im mindesten "retro", sondern ein neuerlicher Beweis dafür, dass sich auch mit dem von einigen der besten Post-Techno-Elektroniker(innen) bevorzugten "Homerecording" exzellenteste Ergebnisse erzielen lassen. Sieht so aus als hätte uns der kleine Schlammpeitziger eine grosse Schwester bislang verheimlicht.
5 CDs zur Verlosung! Einsendeschluss: 29.03.2000. Albrecht Piltz, Stichwort: elektr@, Postbox 19 01 11, 53037 Bonn.
so haben wir JETZT gelebt 1998
erstes album 1998
projektname: Schneemann Productions Allgäu
01# murabipapageia
02# luxus zukunft
03# die welle
04# raus
05# zurück zur erde (session mit hartmut willke, leutkirch)
06# luxus lebenslust
07# der lange weg
review: albrecht piltz, electrodrom KEYBOARDS 10/99
Schneemann Productions Allgäu: So haben wir JETZT gelebt
[CD-R:Selbstverlag, ohne Best.Nr., 7 Tracks, gesamt: 57:56, Bezug: Schneemann Productions Allgäu, Sabine Dirksen, ...]
"No samples used" meldet das Eine-Frau-Unternehmen Schneemann Productions Allgäu auf dem CD-Inlet mit Stolz, aber nicht ohne Grund. Denn daß diese elektronischen Songs und Instrumentals ausschließlich mit analogen und virtuell analogen Synthies realisiert wurden, muß man erst mal lesen, um es später vielleicht auch zu glauben. Irgendwo zwischen der Berliner Vermona-Orgel-Spielerin Barbara Morgenstern und dem Kölner Casio-Virtuosen Jo "Schlammpeiziger" Zimmermann (letzterem hätte auch ein Titel wie "Murabipapageia" einfallen können) hat Sabine Dirksen eine Nische gefunden, in der sie mit unorthodoxen Klängen und minimalistischen Strukturen (Tip: Track 5, "Zurück zur Erde") liebevoll herumspieltund zwischendrin mit betont gleichgültiger Stimme existenzielle Sinnfragen wie"Was macht der Leuchtturm zwischen den Bergen?" stellt. Sympathische Kleine-Finger-Übungen; wie wird`s erst klingen wenn die Frau die Faust benutzt?